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Was ist RIR? Ein vollständiger Leitfaden zum Verwalten der Trainingsintensität nach Wiederholungen in Reserve

Was ist RIR? Ein vollständiger Leitfaden zum Verwalten der Trainingsintensität nach Wiederholungen in Reserve

RIR gibt an, wie viele Wiederholungen mit derselben Technik am Ende eines Satzes noch möglich gewesen wären. Beim Muskelaufbau bietet RIR1–3 für die meisten Arbeitssätze eine gute Balance zwischen ausreichender Anstrengung und Erholung.

RIR0 bedeutet, dass keine weitere vollständige Wiederholung möglich ist. Bei RIR2 wären noch 2 Wiederholungen drin. Es geht nicht um die Wahl zwischen jedem Satz bis ans Limit und sehr vielen Wiederholungen in Reserve. RIR hilft dir, den richtigen Endpunkt abhängig von Übung und Position des Satzes zuverlässig zu treffen.

Was RIR bedeutet (und wie es sich von RPE unterscheidet)

RIR steht für Reps In Reserve und schätzt die verbleibende Wiederholungsleistung als Anzahl von Wiederholungen. RIR2 bedeutet, dass du noch 2 Wiederholungen mit dem vorgesehenen Bewegungsumfang und derselben Technik geschafft hättest, den Satz aber an diesem Punkt beendet hast. Brichst du wegen Schmerzen, Atemnot oder eines instabilen Geräts ab, lässt sich der Wert nicht ohne Weiteres als RIR des Zielmuskels werten.

Das ähnliche RPE beschreibt die subjektive Intensität des gesamten Satzes auf einer Skala von 1 bis 10. Im Krafttraining entspricht RPE10 üblicherweise RIR0, RPE9 entspricht RIR1 und RPE8 entspricht RIR2. Eine exakte Umrechnung mit Dezimalwerten oder bei vielen Wiederholungen in Reserve ist nicht nötig. Wenn dir die Frage „Wie viele wären noch gegangen?“ leichter fällt, nutze RIR. Arbeitet dein Team oder Trainingsplan einheitlich mit RPE, reicht RPE vollkommen aus.

RIR beschreibt nicht das aufgelegte Gewicht, sondern die mit diesem Gewicht verbleibende Wiederholungsleistung. Auch bei einem Satz mit 100 kg für 5 Wiederholungen unterscheidet sich die Anstrengung zwischen RIR5 und RIR1 deutlich. Umgekehrt lassen sich Einheiten trotz unterschiedlicher Gewichte gut vergleichen, wenn Übung, Ausführung und RIR gleich bleiben.

RIR und Intensitäts-Referenz-Tabelle

RIRZustandEinsatz
0Limit, keine weitere Wiederholung möglichNur im letzten Satz einer sicheren Übung
1–2Noch 1–2 WiederholungenKernbereich für Muskelaufbau
3Noch 3 WiederholungenGrundübungen, Akkumulationsphase
4 oder mehrViele Wiederholungen in ReserveAufwärmen, möglicherweise zu geringer Reiz

Die Tabelle dient als praktische Orientierung. RIR0–3 eignet sich gut für Sätze zum Muskelaufbau. Wenn der Schwerpunkt auf RIR1–3 liegt, trainierst du nah genug am Limit, ohne unnötig viel Leistung für die folgenden Sätze zu verlieren. RIR4 oder höher hat beim Aufwärmen, Techniktraining und in Wochen mit reduzierter Ermüdung ebenfalls seinen Platz und ist nicht automatisch wirkungslos.

Selbst bei RIR2 unterscheiden sich Kniebeugen und Seitheben ebenso wie Sätze mit 5 und 20 Wiederholungen hinsichtlich Einschätzung und Ermüdung. Bei hohen Wiederholungszahlen werden Brennen und Atemnot leicht mit Muskelversagen verwechselt. Bei schweren Gewichten hängt die Zahl der verbleibenden Wiederholungen davon ab, welche Abweichungen von der Technik du noch akzeptierst. Lege deshalb für jede Übung fest, was als vollständige Wiederholung zählt, bevor du RIR protokollierst.

Diagram: RIR-Richtwerte

Wie sich Trainingsreiz und Ermüdung bei sinkendem RIR verändern

Wie RIR den Trainingsreiz verändert, lässt sich nicht mit einem Schalter erklären, der erst bei RIR0 den Muskelaufbau aktiviert. Je länger der Satz dauert und je kleiner RIR wird, desto stärker ermüden die bereits arbeitenden Muskelfasern. Um die nötige Kraft aufrechtzuerhalten, werden zusätzliche motorische Einheiten rekrutiert. Gleichzeitig sinkt die Wiederholungsgeschwindigkeit, und die aktiven Muskelfasern müssen häufiger hohe Spannung tragen.

Je näher du dem Limit kommst, desto stärker steigen allerdings auch lokale Ermüdung, technische Abweichungen und mentale Belastung. Der Schritt von RIR3 zu RIR1 liefert nicht zwangsläufig denselben zusätzlichen Muskelaufbau wie der Schritt von RIR1 bis zu einer gescheiterten Wiederholung. Entscheidend ist weniger, ob die letzte Wiederholung scheitert, sondern wie viele ausreichend harte und hochwertige Sätze du über die Woche wiederholen kannst.

Wenn bei RIR0 zuerst Griffkraft oder Herz-Kreislauf-System versagen, befindet sich der Zielmuskel nicht zwangsläufig ebenfalls bei RIR0. RIR bewertet nicht, wie unangenehm sich ein Satz anfühlt, sondern schätzt, wie oft du die definierte Bewegung noch ausführen könntest. Notierst du kurz den Grund für das Satzende, lassen sich identische Werte später besser einordnen.

Warum nicht jeder Satz bis zum Muskelversagen gehen muss

Versagenstraining macht leicht erkennbar, ob du eine hohe Anstrengung erreicht hast, und kann dabei helfen, ein Gefühl für Wiederholungen in Reserve zu entwickeln. Eine gescheiterte Wiederholung ist jedoch keine besondere Schwelle, ab der Muskelaufbau erst beginnt. Kurz vor dem Limit aufzuhören erhält einen Großteil des Reizes und lässt mehr Leistung für die folgenden Sätze und die nächste Einheit übrig.

Die Forschung insgesamt zeigt nicht eindeutig, dass Training bis zum Muskelversagen beim Muskelaufbau klar besser ist als Training ohne Muskelversagen. Dabei muss berücksichtigt werden, dass die tatsächlichen RIR-Werte zwischen Studien nicht einheitlich sind und sich Teilnehmer, Lasten und Übungen unterscheiden. RIR1–3 bedeutet daher nicht, dass jeder Satz zwangsläufig gleich wirkt. Es ist vielmehr ein praktischer Ausgangspunkt zur Steuerung der meisten Arbeitssätze.

Die Vorstellung mehr Sätze bis zum Muskelversagen bedeuteten mehr Wachstum, übersieht die zusätzlichen Kosten der letzten Wiederholung. Wenn RIR0 im ersten Satz dazu führt, dass Wiederholungszahl und Technik in den Sätzen 2–4 stark einbrechen, solltest du das Erfolgserlebnis des einzelnen Satzes getrennt vom gesamten Wochenreiz bewerten.

RIR1–3 und Sätze bis zum Muskelversagen passend zur Übung verteilen

Beim Vergleich von Sätzen bis zum Muskelversagen und RIR-Steuerung zählt nicht nur der durchschnittliche Effekt auf den Muskelaufbau. Sicherheit, Leistung in Folgesätzen und notwendige Kalibrierung gehören ebenfalls zur Bewertung. Bei Grundübungen und freien Gewichten sind Technikverlust und das sichere Beenden nach einer gescheiterten Wiederholung problematischer. Ein Einstieg bei RIR2–3 ist deshalb meist leichter zu steuern. Bei einer stabilen Maschine oder Isolationsübung lassen sich ausgewählte spätere Sätze eher auf RIR0–1 bringen.

SituationRIR-AusgangspunktBegründung
Schwere Grundübung2–3Technik und Leistung in den Folgesätzen bleiben leichter erhalten
Stabile Maschine, Isolationsübung1–2Der Zielmuskel lässt sich sicher nah ans Limit bringen
Kalibrierung im letzten Satz0Die Einschätzung bei einer sicher ausführbaren Übung überprüfen
Woche mit reduzierter Ermüdung4–5Bewegungsqualität erhalten und Erholung priorisieren

Nicht jeder Satz muss dasselbe RIR haben. Bei 3 Sätzen kannst du dich beispielsweise von RIR3 über RIR2 auf RIR1 steigern. So bleibt die Leistung zu Beginn erhalten, während du später eine ausreichend hohe Anstrengung erreichst. Wer bei leichten Lasten zu viele Wiederholungen in Reserve schätzt, sollte nicht dauerhaft jeden Satz bis zum Muskelversagen testen. Prüfe die Abweichung zwischen Schätzung und Realität nur im letzten Satz einer sicheren Übung.

Diagram: RIR1–3 und Sätze bis zum Muskelversagen

RIR mit einer einfachen Kalibrierung genauer einschätzen

RIR ist eine Schätzung und kein direkt gemessener Wert. Du musst deshalb nicht von Anfang an exakt liegen. Entscheidend ist, immer dieselbe Definition zu verwenden, deine Einschätzung gelegentlich zu überprüfen und die Richtung deiner Abweichung zu kennen.

  1. Ausführung festlegen: Definiere Bewegungsumfang, Schwung und Tempo. Wiederholungen außerhalb dieser Vorgaben zählen nicht zu den verbleibenden Wiederholungen.
  2. Erst schätzen, dann weitermachen: Schätze den letzten Satz einer sicheren Übung als „RIR2“ ein und prüfe anschließend, wie viele Wiederholungen tatsächlich noch möglich sind.
  3. Abweichung notieren: Schaffst du noch 4 Wiederholungen, hast du RIR um 2 Wiederholungen unterschätzt. Schaffst du nur 1, hast du RIR um 1 Wiederholung überschätzt. Halte solche übungsspezifischen Tendenzen fest.
  4. Nach einigen Wochen erneut prüfen: Trainiere nicht jedes Mal bis zum Muskelversagen. Kalibriere nur neu, wenn sich Lastbereich oder Technik verändert haben.

Ein deutlicher Geschwindigkeitsverlust beim Heben ist ein Hinweis auf die Nähe zum Limit, bestimmt die verbleibenden Wiederholungen aber nicht eindeutig. Der Zusammenhang verändert sich je nach Übung, Last, Ermüdung und individueller Fähigkeit, langsame Wiederholungen durchzukämpfen. Bei Kniebeugen oder Bankdrücken, bei denen ein sicheres Scheitern nicht gewährleistet ist, solltest du das Gefühl zunächst an einer Maschine oder bei einer Isolationsübung lernen und mit ausreichend Reserve beginnen.

Diagram: RIR mit einer einfachen Kalibrierung genauer

Gleiche 10 Wiederholungen und das Muskelgefühl mit RIR neu bewerten

Warum dieselben 10 Wiederholungen unterschiedlich wirken können, liegt daran, dass 10 lediglich die Zahl beim Satzende ist. Hast du zuletzt 80 kg für 10 Wiederholungen bei RIR2 bewegt und schaffst diesmal unter denselben Bedingungen 11 Wiederholungen bei RIR2, ist deine Wiederholungsleistung wahrscheinlich gestiegen. Waren die 11 Wiederholungen diesmal jedoch RIR0, kann ein Teil der zusätzlichen Wiederholung darauf beruhen, dass du näher ans Limit gegangen bist.

Auch das Gefühl im Zielmuskel ist nur eine Zusatzinformation. Starkes Brennen oder ein intensiver Pump machen einen Satz nicht automatisch zu einem hochwertigen harten Satz, wenn du bei RIR5 aufhörst oder zunehmend Schwung nutzt. Umgekehrt ist eine Übung auch bei weniger ausgeprägtem Muskelgefühl vielversprechend, wenn die Ausführung stabil bleibt, RIR vergleichbar ist und Gewicht oder Wiederholungen steigen.

Bewerte die Entwicklung über mehrere Wochen. Priorisiere Progressive Overload statt des bloßen Anstrengungsgefühls und vergleiche Gewicht, Wiederholungen, RIR, Bewegungsumfang und Pausen unter möglichst gleichen Bedingungen. Wenn du das RIR jedes Satzes in einem Trainingslog wie BTB Workout Log festhältst, erkennst du Fortschritt auch in Phasen ohne zusätzliche Wiederholungen: etwa wenn du dieselbe Leistung mit mehr Wiederholungen in Reserve erreichst.

RIR in den Trainingsplan und die tägliche Lastanpassung integrieren

Trage ein Ziel-RIR in den Trainingsplan ein und wähle am Trainingstag ein Gewicht, mit dem du diesen Bereich erreichst. In einer Akkumulationsphase sicherst du das Volumen überwiegend mit RIR2–3. In Phasen höherer Intensität rückst du ausgewählte Sätze auf RIR0–2 vor. In einer Woche zur Ermüdungsreduktion trainierst du locker bei RIR4–5. So steuerst du die Anstrengung von Woche zu Woche auf einer einheitlichen Skala statt nur mit vagen Beschreibungen.

Fühlt sich bereits das Aufwärmen ungewöhnlich schwer an, musst du deine Technik nicht opfern, nur um das geplante Gewicht zu halten. Erreichst du im ersten Arbeitssatz nicht das untere Ende des Zielbereichs und liegt dein RIR unter dem Planwert, reduziere die Last leicht. Erreichst du das obere Ende des Wiederholungsbereichs mehrfach mit vielen Wiederholungen in Reserve, kannst du das Gewicht beim nächsten Mal erhöhen.

RIR ist kein vollkommen objektiver Wert, aber deshalb keineswegs nutzlos. Wenn du klare Ausführungskriterien festlegst, übungsspezifische Schätzfehler kalibrierst und auch die Leistung in den Folgesätzen sowie der nächsten Einheit berücksichtigst, kannst du damit sowohl zu geringe Anstrengung als auch übermäßige Ermüdung praktisch steuern.

Diagram: Das Wichtigste auf einen Blick

FAQ

Können Anfänger RIR nutzen?
Ja. Stelle am Anfang jedoch eine einheitliche Definition über maximale Genauigkeit. Schätze gelegentlich vor dem letzten Satz an einer sicheren Maschine oder bei einer Isolationsübung dein RIR, trainiere anschließend bis zum Muskelversagen weiter und notiere die Abweichung zu den tatsächlich verbleibenden Wiederholungen. So erkennst du deine übungsspezifischen Schätzfehler.
Sollte ich RIR oder RPE nutzen?
Beides ist möglich. Üblicherweise entspricht RIR2 dem Wert RPE8, RIR1 dem Wert RPE9 und RIR0 dem Wert RPE10. Wenn die Frage „Wie viele wären noch gegangen?“ intuitiver ist, wähle RIR. Nutzt dein Trainingsplan oder dein Coaching-Umfeld einheitlich RPE, bleibe bei RPE.
Ist es ein Problem, bei RIR 0 (echtem Versagen) auf jedem Satz zu trainieren?
Nein, du musst nicht jeden Satz bis zum Muskelversagen führen. RIR0 hilft dabei, die tatsächliche Anstrengung zu überprüfen, kann aber Wiederholungszahl und Technik in den Folgesätzen sowie die Erholung bis zur nächsten Einheit beeinträchtigen. Halte die meisten Sätze bei RIR1–3 und bringe nur ausgewählte Sätze sicherer Übungen auf RIR0.
Was tun, wenn meine RIR-Werte jedes Mal stark schwanken?
Vereinheitliche zuerst Geräteeinstellung, Bewegungsumfang, Pausen und die Kriterien für eine vollständige Wiederholung. Kalibriere anschließend an einer sicheren Übung und bewerte den Trend über mehrere Wochen statt den Fehler eines einzelnen Tages. Prüfe bei hohen Wiederholungszahlen außerdem, ob du Brennen oder Atemnot mit dem tatsächlichen Limit verwechselst.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • RIR misst die Anstrengung danach, wie viele Wiederholungen mit derselben Technik noch möglich wären
  • Für die meisten Sätze zum Muskelaufbau ist RIR1–3 ein sinnvoller Ausgangspunkt
  • Sätze bis zum Muskelversagen sind nicht notwendig und sollten gezielt zur Kalibrierung bei sicheren Übungen eingesetzt werden
  • Feste Ausführungskriterien und der Vergleich zwischen geschätzten und tatsächlichen Wiederholungen verbessern die Genauigkeit
  • Gewicht, Wiederholungen und RIR unter gleichen Bedingungen verfolgen und die Last anhand des Fortschritts über mehrere Wochen anpassen

Quellen

  1. Repetitions in Reserve Is a Reliable Tool for Prescribing Resistance Training Load
  2. Estimating Repetitions in Reserve in Common Resistance Exercises
  3. Exploring the Dose-Response Relationship Between Estimated Resistance Training Proximity to Failure, Strength Gain, and Muscle Hypertrophy: A Series of Meta-Regressions

Entscheide den nächsten Satz mit den Zahlen vom letzten Mal vor Augen.

Ohne Vergleich unter gleichen Bedingungen lässt sich Fortschritt nicht beurteilen. BTB Workout Log zeigt deine letzten Werte, sobald du die Übung öffnest.

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